Gott im Unglück

Im Zuge des Wunsches nach besseren Schreibfähigkeiten, versuche ich mich querbeet nahezu „permanent“ mit einem Buch zu beschäftigen. In meinem Büchertagebuch stelle ich euch diese Bücher vor und verliere das ein oder andere Wort darüber. Keine echte Rezension, sondern einfach nur mein persönlicher Eindruck.

Den Anfang macht dieses Mal Gott im Unglück vom US-amerikanischen Autoren A. Lee Martinez.

Wer göttlichen Beistand sucht, für den gibt es heutzutage eine ganz neue Herangehensweise: einfach ab ins Internet und sich die persönliche, übernatürliche Eminenz aus einem Katalog Anhänger-suchender Gottheiten aussuchen. Als sich Phil und Teri nach langem Zögern doch entschließen, den Segen eines Gottes in Anspruch zu nehmen, fällt ihre Wahl auf den Waschbären-Glücksgott Lucky. Er fordert keine Jungfrauen, ekstatische Hingabe oder blutrünstige Rituale, sondern will sich einfach nur in deren vier Wänden einrichten. Doch mit ihm kommen nicht nur kleinere Glücksmomente, denn ein fürchterlicher Chaosgott hat noch eine alte Rechnung mit dem Waschbären zu begleichen.

Ich mag Geschichten, die aus übernatürlichen Begebenheiten eine alltägliche Sache machen. Und fern jeder Gotteslästerung muss man schon zugeben, dass ein Aufeinandertreffen von Thor, Zeus, Hekate oder wie Quetzalcoatl und die alten Gottheiten auch alle heißen mögen, schon sehr fantastische Geschichten erzählen kann. Nun hat Martinez mit seinem Roman kein religionskritisches Werk erschaffen, sondern mischt sich eher unter Autoren wie Douglas Adams ein. Sein Fokus liegt eindeutig bei den Charakteren – was ich sehr begrüße – und die Welt, in der es strenge Gesetze zwischen Menschen und Gottheiten gibt, wird nur am Rande mit genug Leben gefüllt, um der Geschichte seinen Raum auszufüllen.

Zugegeben – das Schicksal der beiden Protagonisten Teri und Phil könnten mir nicht näher am Allerwertesten vorbeigehen. Sie sind Schablonen der vom Schicksal umhergeworfenen und nur selten wirklich eigenständig agierenden Figuren und gehen daher neben anderen Figuren komplett unter. Die anfängliche Nebenhandlung rund um Bonnie und die Göttin des Herzeleids Syph, die erst auf der Hälfte Kurs Richtung Hauptplot nimmt, ist dabei mein persönliches Herzstück dieses Romans. Hier sind die Charaktere gut geschrieben, hier werden die skurrilen Szenen, die sich beim Zusammenleben von Göttern und Sterblichen ergeben können, pointiert und wirklich sympathisch rüber gebracht.

Ohne Frage hapert es dem Buch dadurch ein wenig an dem Esprit, der mich länger in Gedanken an die Handlung fesselt. Ob Teri oder Phil auf sterblicher Seite, ob Lucky oder Quick auf göttlicher – die Akteure der Haupthandlung wissen nur bedingt mich in ihre Welt zu entführen und das Finale leider etwas überhastet und deplatziert wirkt. Und dass, obwohl mir der Verlauf ihres teilweise verrückten Abenteuers sehr gut gefällt und ich mir von Syph, Bonnie und dem animalischen Chaosgott Gorgoz gerne mehr gewünscht hätte.

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